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Projekt "Know-How in Wasser- und Abwasserwirtschaft"

Projekt-Ablauf

Basierend auf dem Projektplan wurden die folgenden Aufgaben definiert (siehe ausführlicher Projektplan):

 

Phase I

Dezember 2013 – April 2014:

Machbarkeitsstudie „Wasserkreislauf“

Die Studie wurde mit der Definition möglicher Pilotprojekte und der Ermittlung geeigneter Partner erfolgreich abgeschlossen.

  • Eine Pflanzenkläranlage (PKA) sollte in Ouagadougou (Burkina Faso) errichtet werden.
    Anhand der Erfahrungen sollte später eine zweite Anlage davon abgeleitet an einem anderen Ort (Manga) entstehen.
  • Aufklärungsarbeit zum Umgang mit Wasser soll durchgeführt werden.
  • Die Einrichtung eines Kompetenzzentrums „Wasser“ sollte erfolgen.
  • „Auto- / Mopedwaschanlagen“ sollten optimiert werden (Wiederverwendung des Brauchwassers)

 


Phase II

II A - Januar – Mai 2015 - Aufbau der PKA Ouidtenga:

  • In Ouidtenga, am Stadtrand von Ouagadougou wird auf dem Grundstück des Projektpartners YILEMDE die Pflanzenkläranlage errichtet.
  • Zur Bepflanzung der Becken wird ein einheimischer Rohrkolben gewählt, der auch als Tierfutter verwendet wird.
  • Diese Pilotanlage besteht zu je 4 Becken mit in vertikaler und horizontaler Wasserzuführung. Der Betrieb soll Aufschluss über das am besten geeignete Layout geben.
  • Ca. 50 Haushalte aus der Umgebung werden verpflichtet, Grauwasser zu sammeln, das von zwei Sammlerinnen von YILEMDE per Eselskarren zu der Anlage gebracht wird.

 

15. Mai 2015:

  • Feierliche Eröffnung der PKA in Ouidtenga.

II B - ab Juli 2015 - Anlaufphase / Betrieb der PKA

  • Durch den deutlich niedrigeren Pro-Kopf-Verbrauch von Wasser in Ouidtenga ist die zur Verfügung stehende Wassermenge zu allen Jahreszeiten geringer als erwartet.
  • Feinsandanteile führen nach kurzer Betriebszeit zu Verstopfungen der horizontalen Anlage.
    Mit einer selbst erstellten Lanze wird Wasser im Abstand von ca. 10cm in den Becken der horizontalen Anlage in den Sand gepumpt. Der Feinsandanteil schwimmt dabei auf und gelangt an die Oberfläche. Nach dem Spülvorgang sind die Becken wieder durchlässig.
  • Dieses Spül-Verfahren kann beim Bau zukünftiger Anlagen angewendet bzw. schon während des Baus, vor der Bepflanzung, durchgeführt werden.
  • Es werden alternative Möglichkeiten für eine einfache und zuverlässige Durchführung für Rohre durch die Beckenfolie entwickelt, die sich mit vor Ort vorhandenen Mitteln konstruieren lassen.

 

September 2015:

  • Besuch der burkinischen Delegation in Deutschland. Mit dabei Vertreter aller Projektpartner (ONEA, Stadt Ouagadougou, FENABF und YILEMDE)

 

Oktober 2015:

  • Das aufbereitete Wasser wird durch die ONEA (Office National de l'Eau et de l'Assainissement) analysiert → die Ergebnisse sind sehr positiv.
    Das aufbereitete Wasser erreicht, mit Ausnahme der Keimzahl, Trinkwasserqualität, d.h. das aufbereitete Wasser könnte nach einer entsprechenden Behandlung (UV-Licht, Abkochen) getrunken werden. Trotzdem bleibt das primäre Ziel, das aufbereitete Wasser als Brauchwasser für die Reinigung oder Bewässerung zu nutzen.
  • Auch aufgrund des technisch einfacheren Aufbaus erweist sich die horizontale Ausführung der PKA als bestmögliche Variante.
  • Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass eine einfache, kleine Anlage ohne Pumpen mit folgenden Rahmenbedingungen möglich ist:

    → Fläche ca. 25qm
    → Klärleistung bis zu 1m^3/Tag
    → Kosten ca. 3000 - 5000 Euro

    Eine solche Anlage kann direkt neben den Häusern eines kleinen Dorfes betrieben werden. Damit entfallen die hohen Aufwände für das Sammeln des Wassers, wenn sich alle Dorfbewohner verpflichten, das Grauwasser selbst in die Anlage statt auf die Straße zu schütten.
  • Die Nutzungsmöglichkeiten des aufbereiteten Wassers werden erprobt.
    → Die Nutzung durch Auto- bzw. Moped-Wäscher erscheint noch nicht zielführend, da es derzeit zu wenige Fahrzeuge in Quidtenga gibt. In der Machbarkeitsstudie  wird von einer PKA in einer dichter besiedelten Gegend ausgegangen. Die zugesagte Fläche stand aufgrund der politischen Ereignisse zu Projektbeginn dann nicht mehr zur Verfügung.
    → Nutzung in der Landwirtschaft: Auf dem PKA Gelände werden Beete mit einer Tröpfchen-Bewässerung installiert, die bis zum April 2016 die kontinuierliche Bewirtschaftung ermöglicht. Das generiert zusätzliche Einnahmen für die Betreiber.


Ab Februar/März 2016 - Betriebs der PKA in der trockenen Jahreszeit

  • Folgen: Während der Trockenzeit sinkt der Wasserverbrauch der Haushalte so stark, dass die Anlage Ende März trocken liegt. Das Wasserreservoir und einige Brunnen in und um Quidtenga sind ausgetrocknet. Der Versorgungsaufwand für Wasser steigt für die Bevölkerung durch längere Wege erheblich.

Ab April 2016:

  • Das Konzept einer Kleinanlage „PKA Kit“ ohne Fremdenergieeinsatz wird in Ouidtenga als Demonstrationsanlage installiert. Die Schritte des Aufbaus werden ausführlich dokumentiert.

    Die folgenden Rahmenbedingungen sind dafür notwendig:

    • Flächenbedarf ca. 25 m^2
    • Durchsatz: ca. 1m³/Tag
    • Kosten: 3000 – max. 5000 Euro
  • Die Anlage verfügt über ausreichend Kapazität, das gesammelte Grauwasser in der Trockenzeit zu klären. Deshalb werden die ursprünglichen Anlagen bis auf Weiteres abgeschaltet.


 

Phase III / Ausblick

III A - ab Juli 2016:

  • Vertiefung der Kontakte zu den politischen Entscheidungsträgern
  • Möglichst unterbrechungsfreier Betrieb der Demo-Anlage „PKA-Kit“Das weitere Sammeln von Erkenntnissen hinsichtlich der bestmöglichen Betriebsbedingungen der Anlage (z.B. Pflege der Pflanzen, Reinigung des Sandfilters, Entwicklung der Reinigungsleistung)
  • Das Konzept der Demo-Anlage „PKA-Kit“ soll möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden, um das Interesse bei Kommunen und Verbänden für die Installation einer solchen Anlage zu wecken.

 

III B - ab Januar 2017

  • Das Konzept der Einfach-Anlage („PKA-Kit“) soll weiter verbreitet werden.
    → Die bestehende Anlage in Ouidtenga wird zu Schulungs- und Demonstrationszwecken genutzt werden. Begleitend sollen eine Anleitung zur Nutzung der Anlage, ein Konzept zur Aufklärung im effizienten Umgang mit Wasser und Materialien zur Qualifizierung der TrainerInnen entwickelt und zur Verfügung gestellt werden.
  • Eine Sensibilisierung der Kommunen für die Notwendigkeit der Wasseraufbereitung soll erreicht werden.
  • Das Know-How für die Installation und die Inbetriebnahme einer Anlage soll lokalen Partnern bereitgestellt werden.
  • Kontakte zu Geberorganisationen sollen vermittelt, und entsprechende Mittel sollen bereitgestellt werden.
  • Installation weiterer Anlagen
  • Mit Hilfe deutscher Experten soll die "PKA-Kit" Anlage weiterentwickelt werden.
  • Der Expertenaustausch zwischen BF und D soll angeregt bzw. durchgeführt werden.

 

IV Weitere Zukunft

  • Vorbereitungen für den Einsatz von PKA in kleineren Städten sollen getroffen werden.
    Die langfristigen Ziele des Staates Burkina Faso sehen für die nächsten 15 Jahre die Entwässerung von 5 kleineren Städten vor. Dazu sollen in einer Pilot-Region südwestlich von Ouagadougou in diesen Städten durch die ONEA Kanalnetze und geeignete Kläranlagen installiert werden.
  • Mit Hilfe eines Expertenaustausches mit Weiterbildungsmöglichkeiten der Experten der ONEA in Deutschland (z.B. Ruhrverband) und Unterstützung durch deutsche Experten vor Ort sollen diese Maßnahmen unterstützt werden.
  • Einrichtung und Betrieb des Kompetenzzentrums „Wasser“. Entsprechende Räumlichkeiten und Personal sollen von lokalen Partnern zur Verfügung gestellt werden.
  • Der Bau und Betrieb von neuen PKA soll begleitet werden. Informationsveranstaltungen zum Thema „Wasser / Abwasser“ sollen konzipiert und durchgeführt werden.

Hintergrund / Motivation

Nach intensiver Vorbereitung sind sich die Projektpartner und -unterstützer einig in der Vision, dass ein funktionierender Wasserkreislauf wichtig und notwendig für die zukünftige Versorgung mit  Trinkwasser ist. Deshalb wurden für einen Zeitraum über mehrere Jahre Ziele und mögliche Projekte definiert, die wichtige Schritte bei der Einführung des Wasserkreislaufs bilden.

In mehreren Phasen soll gezeigt werden, dass

  • ausreichend Abwasser gesammelt werden kann,
  • dieses Wasser zuverlässig aufbereitet werden kann, und
  • für das aufbereitete Wasser auch eine Nachfrage besteht bzw. geweckt werden kann.

Insbesondere der letzte Punkt ist eine Herausforderung, weil die hohen Subventionen auf Brunnenwasser die Aufbereitung des Brauchwassers bisher unwirtschaftlich machen. Nach einer nicht repräsentativen Befragung an mehreren Brunnen in Rahmen der Machbarkeitsstudie zeigt sich, dass auch gewerbliche Nutzer (z.B. Autowäscher) lieber Wasser von Brunnen holen lassen, als es aus dem Wasserhahn zu entnehmen, weil die damit verbundenen Kosten (insbesondere bei sehr hohem Verbrauch >> 8 m^3/Monat) viel höher sind.