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Fragen und Antworten zum Projekt "Pflanzenkläranlage Ouagadougou"

Wie kam es zu der Idee des Projekts und warum ist das Projekt so wichtig?

Wasser ist in der Sub-Sahara Region eine knappe Ressource. Die Folgen des Klimawandels werden durch extreme Klimaphänomene (Hochwasser 2009, Dürre 2011/12) immer deutlicher spürbar. Im ganzen Land existieren Regenwasserspeicher (sog. Bassins), die in den letzten Jahren allerdings nicht mehr für die ganzjährige Versorgung der Bevölkerung und der Landwirtschaft mit Wasser ausreichen. Aus diesem Grund wird verstärkt Grundwasser für die Versorgung genutzt, wobei der Grundwasserspiegel kontinuierlich sinkt, d.h. diese Ressource in absehbarer Zeit erschöpft sein wird.

In einer solchen Situation ist es schwer verständlich, warum Brauchwasser nicht in einen Wasserkreislauf zurückgeführt und wieder verwendet wird. Es existiert in Burkina Faso (wie auch in vielen anderen Entwicklungsländern) weder die Infrastruktur zum Sammeln des Brauchwassers, noch zu seiner Reinigung. In der Hauptstadt Ouagadougou mit inzwischen ca. 2,5 Millionen Einwohnern sind nur wenige Haushalte im Zentrum an die Kanalisation angeschlossen. Seit 10 Jahren ist eine einzige (!) Kläranlage in Betrieb, die das Abwasser weniger Industriebetriebe (u.a. Brauerei und Gerberei) behandelt, wobei die gewünschte Klärleistung bisher noch nicht erreicht wurde. Weitere Kläranlagen gibt es in Ouagadougou nicht! (Kläranlage hinter dem Krankenhaus!!!)

Ein weiterer, wichtiger Aspekt wird gerne übersehen: In dem verständlichen Bemühen die Menschen in den schnell wachsenden Ballungszentren mit Trinkwasser zu versorgen, wird immer mehr Wasser aus großen Entfernungen in die Zentren gebracht und nach Gebrauch auf die Straße geschüttet, wo es einfach versickert. Damit werden immer größere Mengen an Verunreinigungen in das Grundwasser unter den Ballungszentren eingetragen, was mittel- bis langfristig das Grundwasser so stark verschmutzen wird, dass es als Trinkwasser unbrauchbar werden wird.

Das Projekt ist in mehrere Phasen unterteilt. Welche Phasen sind dies und in welchem Stadium befindet sich das Projekt derzeit?

Als das Projekt 2013 geplant wurde, war allen Beteiligten beim Projektträger (WBH) und in der Projektorganisation (till.net) klar, dass die finanziellen Mittel sehr begrenzt sein würden, und deshalb besonders ökonomisch eingesetzt werden müssen. Einzelne Phasen wurden deshalb eng gesetzt und mit wichtigen Zielvorgaben („Milestones“) versehen, so dass ein Scheitern der Idee schon früh erkannt und daraus die notwendige Konsequenz zum Abbruch des Projekts gezogen werden könnte.

Deshalb wurde als erste Phase eine 4,5 monatige Machbarkeitsstudie durchgeführt, in deren Verlauf zwei Experten des WBH die technischen und organisatorischen Möglichkeiten zur erfolgreichen Umsetzung geprüft haben. Aus den Erkenntnissen der Reisen wurden dann die ursprünglichen Ideen angepasst und Pläne für erfolgversprechende Pilotprojekte entwickelt.

Die zweite Phase in den Jahren 2015 und 2016 sieht die erfolgreiche Umsetzung von verschiedenen Pilotprojekten vor. Da ist zunächst die Pilot-PKA am südöstlichen Rand von Ouagadougou, der die zentrale Aufgabe zukommt, gleich mehrere Annahmen erfolgreich zu bestätigen, nämlich:

  • Dass Grauwasser (alle Abwässer im Haushalt mit Ausnahme des Toilettenabwassers) in ausreichenden Mengen in den Haushalten gesammelt werden kann. Das setzt die Akzeptanz der Haushalte voraus, das bisherige Verhalten zu ändern und das verbrauchte Wasser nicht wie bisher üblich, einfach auf die Straße zu schütten, sondern in Kanistern zu sammeln.

    Das Wasser muss zunächst in den Haushalten in Kanistern, die durch einen Sammeldienst abgeholt werden, gesammelt werden, da keine geeignete Infrastruktur (Abwasserkanäle) existiert. Wenn das Pilotprojekt erfolgreich abgeschlossen sein wird, werden hoffentlich viele größere Anlagen nach diesem Vorbild entstehen. Deren Bedarf an Wasser wird man dann sinnvollerweise nicht mehr durch den Transport des gesammelten Wassers decken, sondern durch Sammelkanäle, die aus den Siedlungen zu den PKAs gelegt werden sollten.

    Die teure Investition in einen Kanal sollte aber für das Pilotprojekt vermieden werden, da ein Scheitern des Projekts immer noch möglich ist. Aus diesem Grund wurde der Verein der Müllsammlerinnen YILEMDE als Projektpartner gewonnen. Diesem Partner kommt die wichtige Aufgabe zu, die Haushalte von der Notwendigkeit des Sammelns zu überzeugen und dann das Wasser neben dem ohnehin gesammelten Hausmüll per Eselskarren bei den Haushalten abzuholen und die Pilot-PKA damit zu versorgen.

  • Dass eine PKA auch in Burkina Faso erfolgreich betrieben werden kann. In Deutschland existieren viele Anlagen, die nach diesem Prinzip funktionieren, wobei die Leistung dieser Anlagen bedingt durch die niedrigen Temperaturen im Winter begrenzt ist. Für Burkina Faso, wo im Winter nachts die Temperaturen nur selten unter 20°C fallen und die Sonne an fast allen Tagen scheint, wird eine sehr viel höhere Leistung erwartet.

    Allerdings konnte trotz umfangreicher Recherche keine Informationen über den Einsatz solcher Anlagen in West-Afrika gefunden werden. Zu zeigen, dass eine PKA tatsächlich erfolgreich Wasser aufbereiten kann, ist deshalb besonders wichtig, um die örtlichen Institutionen zu überzeugen, dass auch in West-Afrika ein Wasserkreislauf machbar sein kann.

  • Dass das gereinigte Wasser tatsächlich wieder verwendet wird. Die Akzeptanz für den Gebrauch von aufbereitetem Wasser ist entscheidend für die erfolgreiche Einführung eines Wasserkreislaufs, denn nur wenn das gereinigte Wasser an Stelle des Trinkwassers aus den Brunnen z.B. von Auto- oder Mopedwäschern verwendet wird, ergibt sich in Zukunft eine echte Einsparung von wertvollem Trinkwasser.

    Die Bestätigung aller drei Annahmen ist eine notwendige Bedingung (Milestone) für die Weiterführung des Projekts. Wenn sich, wie erhofft, die Anlage bewährt, soll im Jahr 2016 eine ähnliche Pilotanlage in Manga, ca. zwei Autostunden südöstlich von Ouagadougou anhand der gewonnenen Erfahrungen installiert und in Betrieb genommen werden. Beim Bau dieser Anlage werden die Partner mehr Verantwortung übernehmen. Außerdem wird die FENABF (die Dachorganisation der Handwerkervereinigungen) versuchen, ein Berufsbild zu etablieren, das den Aufbau und den Betrieb von PKAs umfasst.

 

Sofern die Ergebnisse die erwarteten Erfolge liefern, wird versucht werden, ab 2017 weitere Verbände oder Vereine zu motivieren, ähnliche Anlagen zu erstellen („Graswurzeleffekt“, Skalierung der Reinigungsleistung). Dabei sollten inzwischen so viele Erfahrungen bei den Projektpartnern existieren, dass diese PKAs weitgehend ohne Beteiligung der deutschen Partner errichtet und betrieben werden können. Selbstverständlich wird aber weiter Unterstützung in Form von Expertenwissen angeboten werden.

Was ist der Verein YILEMDE?


YILEMDE ist ein Verein von ca. 50 Frauen, die die Aufgabe von der Stadt Ouagadougou bekommen haben, Hausmüll in den Haushalten in einem Viertel innerhalb des 11. Arrondisements zu sammeln, diesen zu einer zentralen Sammelstelle zu bringen und dort zu sortieren. YILEMDE wurde 2002 gegründet, damals mit dem Ziel den Müll von 50 Haushalten zu entsorgen. Heute (Stand 2014) entsorgt YILEMDE den Müll von über 1000 Haushalten und bildet andere Vereine von Müllsammlerinnen aus.

YILEMDE ist als Projektpartner für die Pilot-PKA als Betreiber verantwortlich. Die Frauen  haben die Haushalte in der Nähe der PKA zu überzeugen, das Abwasser nicht mehr auf die Straße zu schütten, sondern statt dessen in Behältern zu sammeln. Diese Kanister werden von den Frauen von YILEMDE regelmäßig geleert und das Grauwasser per Eselskarren zur PKA gefahren.